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"My Name is Earl"

Comedy-Serien gibt es viele. Gute Comedy-Serien leider eher selten. Die meisten sind heutzutage im 08/15-Ami-Sitcom-Einheitsbrei kaum voneinander zu unterscheiden. Selbst Serien wie „How I Met Your Mother“, die einst mit einer innovativen Idee auffielen und aus eben jenem Brei herausragten, sind mittlerweile nur noch verwässert, ausgelutscht und totwiederholt.

Machen wir uns nichts vor: Das deutsche Fernsehen enthält uns doch beinahe alles vor, was sich irgendwie unterscheidet oder vom alten Muster abhebt. Hochklassige und eben auch einfach andere Formate werden entweder vollkommen unter Wert oder einfach gar nicht gesendet. Im Falle der Serie, die ich hier vorstellen möchte, war es sogar so, dass sie im Programm so unter Wert verkauft wurde/wird, dass man sie eigentlich auch gar nicht senden bräuchte. Ich glaube jedenfalls nicht, dass das Nachtprogramm von RTL Nitro ständig für Quotenrekorde sorgt. Der Ein oder Andere wird es anhand meines langen Vorgeplänkels bereits erahnt haben, die Rede ist von „My Name is Earl“.

Die von 2005 bis 2009 auf NBC in Amerika gelaufene Serie handelt von dem Kleinkriminellen Earl Hickey (Jason Lee) im fiktiven Hinterwäldler-Kaff Camden County. Earl gewinnt 100.000 $ mit einem geklauten Rubbellos, läuft jedoch vor Freude auf die Straße und wird von einem Auto angefahren. Im Krankenhaus jubelt seine Frau Joy (Jaime Pressly) ihm auch noch die Scheidungspapiere unter, genauso wie sie ihm einst ein schwarzes Kind als sein eigenes ausgab. Von Schmerzmitteln benebelt sieht Earl schließlich im Fernsehen den TV-Moderator Carson Daly, der von Karma erzählt: „Tue Gutes und dir widerfährt Gutes, tue Schlechtes und dir widerfährt Schlechtes.“ Plötzlich meint Earl zu verstehen, warum sein Leben bislang so beschissen war. Er erstellt eine Liste mit allen schlimmen Dingen, die er je angerichtet hat und nimmt sich vor alles wieder gutzumachen.

Dieses Unterfangen gestaltet sich für den Zuschauer oft brüllend komisch, denn die von Earl verursachten (und in Rückblicken dargestellten) Gemeinheiten sind teilweise grandios absurd. Wie will man sich bei einer Einbeinigen revanchieren, der man einst das Auto klaute oder wie will man es wieder gutmachen zwei behinderten Kindern die Rollstühle weggenommen und diese (die Kinder!) in der Sonne liegengelassen zu haben? Ihr merkt schon, der Humor ist durchaus von der schwärzeren Sorte.

Die Charaktere sind allesamt schrullig bis total gestört, aber doch so gut in das Setting eingebettet, dass man sie schnell ins Herz schließt und sich alsbald pudelwohl fühlt im White Trash-Milieu der Serie. Ob nun Earls liebenswerter, zurückgebliebener Bruder Randy (Ethan Suplee), seine hysterisch keifende Ex-Frau Joy, der trottelig wirkende „Crabman“ (Eddie Steeples) oder auch Nebencharaktere wie der einäugige Briefträger oder der ständig alkoholisierte abgehalfterte Schauspieler Tim Stack: alle sind herrlich überzogen, jedoch niemals nervig und heben sich von sonstigen Klischee-Figuren ab.

So abgedreht und übertrieben sich das alles anhört, ist „My Name is Earl“ unter ihrer schwarzhumorigen Schale doch eine sehr warmherzige Serie, die mitunter Werte wie Freundschaft oder Familie thematisiert, ohne jedoch jemals rührselig und zu gewollt zu wirken.

Die Serie hat aber auch zwei kleine Makel: Die dritte Staffel kann die Qualität der anderen drei leider nicht halten und driftet im Mittelteil zuweilen etwas arg ab. Außerdem gibt es kein richtiges Ende. Die Geschichte war nach der vierten und letzten Staffel noch nicht abgeschlossen, der Sender NBC entschloss sich jedoch, trotz ordentlicher Quoten, keine fünfte Staffel in Auftrag zu geben. So wird man, wohl oder übel, etwas unbefriedigt zurückgelassen. Hier sollte man sich allerdings getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ nicht abschrecken lassen, denn so viel Spaß, Irrsinn und wunderbares Chaos wie in den vorhandenen vier Staffeln kriegt man sonst nirgendwo geboten.

Ich kann „My Name is Earl“ wirklich jedem ans Herz legen, der die Schnauze voll hat von 08/15-Sitcoms und deren Konserven-Lachern oder einfach mal etwas schauen möchte, das nicht nur nach dem bewährten Schema F abläuft. Ach, eigentlich kann ich die Serie jedem mit nur einem Fünkchen Humor im Leib empfehlen, der nicht sofort empört aufschreit, wenn er mit etwas politisch Inkorrektem konfrontiert wird.

In diesem Sinne: Tumor ist, wenn man trotzdem lacht.

(kleine Anmerkung: Wer des Englischen mächtig ist, sollte die Serie auf jeden Fall im O-Ton gucken. In der deutschen Variante gehen sowohl Hinterwäldler-Dialekt als auch so mancher Wortwitz verloren.)

 

-Chris-

28.5.13 17:17
 


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